Studie 1

Trichotillomanie, das zwanghafte Haareausreißen sowie weitere haarbezogene repetitive Verhaltensweisen wie das Abreißen, das Abschneiden und Konsumieren der eigenen Kopf- und Körperhaare gehören zu der Gruppe der körperbezogenen Verhaltenswiederholungen, in der wir zum Beispiel auch die Onychophagie – Nägelkauen – und Dermatillomanie – das Manipulieren und Verletzen der Haut finden.

Betroffene können den Impuls zur Handlung nicht oder nur schwer unterdrücken. Besonders in emotionalen Zuständen der Angst, Erschöpfung, Stress und Frustration lindert das Verhalten oft die erlebte Anspannung. Die versteckten und sichtbaren Kahlstellen, fehlende Wimpern und Augenbrauen sowie zum Teil die stundenlange Ausführung des Verhaltens können zu erheblichen sozialen Einschränkungen führen, die wiederum schwer belastend sind und weiteres Haareziehen verursachen.

Die Trichotillomanie Forschung hat sich vorwiegend mit den konkreten, destruktiven Handlungen gegenüber den eigenen Haaren beschäftigt. Mit dieser Studie soll untersucht werden, ob zum einen Styling als kompensierendes Verhalten, um eventuelle Kahlstehlen oder fehlende Augenbrauen abzudecken oder als Ausdruck der Persönlichkeit und zum anderen generelle Pflege der Kopfhaut und Haare das Potential bergen, als Maßnahmen die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern.

Das Verhältnis zu Friseuren habe ich in der Literatur lediglich im Kontext des Vermeidens von sozialen Kontakten erwähnt gefunden. Wenn wir erfahren, ob Betroffene den Friseurbesuch generell vermeiden und aus welchen Gründen, könnten eventuell bestimme Parameter den Bedürfnissen der Betroffenen angepasst werden, so dass positive Erfahrungen mit ihren Haaren und deren Pflege möglich werden.

Fragestellung Welche Erfahrung machen von Trichotillomanie betroffene Personen mit der professionellen Haarpflege? Ergeben sich daraus Hinweise, wie professionelle Haarpflege zu Gunsten der Betroffenen optimiert werden kann?

Forschungsziel Erfassung von Information zum Haarpflegeverhalten von Betroffenen

  • Finden parallel zur pathologischen Berührung der eigenen Haare alltägliche oder gelegentliche Fremd- und Eigenberührungen der Haare statt und wenn ja, in welcher Form, von wem, zu welchem Zweck und wie werden diese erlebt.
  • Gibt es Zusammenhänge zwischen der Symptomschwere, den persönlichen Einstellungen zum Symptomverhalten, der Art des Haareziehens, dem Ekelempfinden und dem Haarpflegeverhalten von Betroffenen

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zum Verständnis der Erkrankung und der Betroffenen beitragen. Sie sollen Impulse für die Entwicklung und Gestaltung von Maßnahmen im Bereich Haarpflege und Berührung setzen.

Methodische Vorgehensweise Deskriptive Querschnittstudie (N=300), deutsch/englische Online-Befragung

  • HCI-T – Hair Care Inventory for Trichotillomania, Fragenkomplex zur Bedeutung von Haarpflege von Trichotillomanie-Betroffene mit multiple-choice, ranking, offenen Fragen, für diese Studie neu entwickelt
  • Fragebögen zu Trichotillomaniepathologie MGH-HPS – Massachusetts General Health Hair Pulling Scale, BiTSBeliefs in Trichotillomania Scale, MIST-A – The Milwaukee Inventory for Styles of Trichotillomania-Adult Version, SEE – Skala zur Erfassung der Ekelsensitivität, FESE Fragebogen zur Erfassung des Selbstekels.